Kontextualität
Die Ziertextphonofaktur onophon spielt mit der Kontextualität von Texten. Indem sie Nutztextteile in ein reizarmes Ziertextambiente stellt, verwandelt sie das profane Brauchwort in ein schillerndes Dekorwort.
 
  Programm "GLOTTISSTOPP": Billa, regelungsdichte, Bettüberbau, Säcke  
   
Wiederholung und Variation
Kombinatorik und Permutation
onophon verwendet beim Live-Vortrag zur Produktion der Texte ausschließlich Stimme und Mikrofon und arbeitet ohne elektroakustische Manöver. Grundstruktur onophoner Textproduktion bildet die Wiederholung, Unschärfen ergeben sich zwangsläufig aus dem analogen Produktionsprozess und bilden die erste Schicht von Variationen. Weitere Variationen werden aufgepfropft, sie entspringen teils einem improvisatorischen Impuls im Live-Kontext, teils sind sie komponiert und folgen einer übergeordneten Gesetzmäßigkeit des Hörgewebes. Im aktuellen Programm "Stumpf" wendet onophon bei drei Texten (verselbständigen, stillung, zumutung) strenge kombinatorische Verfahren an und lotet die Zahl möglicher Anordnungen von unterscheidbaren Objekten mit Beachtung der Reihenfolge aus.
 
  Programm "einsatzdichtung": weiss, frauenarsch, schwanenhals, kea, zinzn
Programm "GLOTTISSTOPP": 2sitzer, kette, Messer-Dolmetsch
Programm "Stumpf": blindprinzip, verselbständigen, stillung, zumutung
 
   
Plastizität
Die Anordnung von Sprachmaterial kann in Zirkulärtouren oder in Achterschleifen erfolgen, mitunter auch in Ziegelbauweise, Stoß an Stoß, Fug auf Fug, im Verbund, fluchtgerecht und im Winkel verlegt oder überlappend pro Steg zwei Mal edelstahlverschraubt. Weitere Parameter onophoner Plastizität sind Textur, Konsistenz, Volumen, Statik, Tribologie, Lagerung und Transport.
 
  Programm "einsatzdichtung": grenze, zinzn, moos
Programm "GLOTTISSTOPP": grababfall, Bettüberbau, diddn
Programm "Stumpf": blindprinzip, verselbständigen, tripetor, Schwank
 
   
Psycholinguistische Testbatterien
Im Selbstversuch führt onophon Versuchsanordnungen durch, die mittels spezifischer Sprechtechniken das mentale Lexikon und die mentale Grammatik zu erforschen suchen. Welche Transformation vollzieht der eigene psychische Status, wenn ich jede zweite Silbe meines Zielsatzes aus dem Mund des Gesprächsgegenübers höre, wenn dann jede dritte Silbe verstummt, zuerst mit und schließlich ohne Mundmotorik?
 
  Programm "GLOTTISSTOPP": kette, Messer-Dolmetsch
Programm "Stumpf": Stumpf, verselbständigen
 
   
Verhören und Versprechen
Gleichzeitiges, mitunter schnelles Sprechen von zwei Personen an einem Text bedingt Interferenzen, die sowohl bei den Sprechern als auch beim Publikum eine Unsicherheit entstehen lassen, ob das Gehörte nun tatsächlich gesagt wurde oder ob es sich um eine Projektion eigener Assoziationen handelt. Dieser Prozess führte uns zur Textsorte "gelockertes Assoziationssprechen", die Versprecher fördert und ein dichtes Netz von Interaktion mit einem selbst, zwischen uns Sprechern und zwischen uns und dem Publikum kreiert.
 
  Programm "einsatzdichtung": kea, zinzn
Programm "GLOTTISSTOPP": kette
Programm "Stumpf": druckschutz
 
   
Dichotomien
onophon testet die Spannkraft von Gegensatzpaaren und die Elastizität von Widerständen. Das Verweben komplementärer Strukturen, Stimmungen und Themen gibt den Texten Spannung und Drall.
 
  Programm "einsatzdichtung": autovignette, weiss, dodoppel
Programm "GLOTTISSTOPP": 2sitzer, kette, Messer-Dolmetsch
Programm "Stumpf": Stumpf 2, hochlele
 
   
Texttektonik
Der Aufbau von onophons Texten umfasst die Schichten Phonetik, Prosodie, Bedeutung, Subtext, Syntax und dramatische Komponenten. Grob analysiert fördern Verwerfungen dieser Ebenen gegeneinander das absurde, komische Element, Ebenengleichklang hingegen bewirkt ein in sich stimmiges Texterlebnis.
Verschiebung:
 
  Programm "einsatzdichtung": autovignette
Programm "GLOTTISSTOPP": Billa, Bettüberbau, grababfall, sex, Säcke
Programm "Stumpf": Atemversuch
 
Gleichklang:  
  Programm "einsatzdichtung": grenze, frauenarsch, moos
Programm "GLOTTISSTOPP": regelungsdichte, kette, diddn
Programm "Stumpf": blindprinzip, Stumpf, zumutung
 
   
Materialwahl
Freiwillige Selbstbeschränkung kennzeichnet die Materialwahl für onophons Sprechtexte. Die Materialentnahme erfolgt entweder alltäglichen Kontexten (Aussagen von Mitmenschen, Medienberichte, Werbung, Aufschriften) oder Fachjargons (Vorträge, Produktkataloge, einschlägige Websites). Prosodische und phonetische Merkmale bestimmen die endgültige Auswahl.
 
   
Algorithmen
Algorithmen bilden die Grundlage onophoner Textgenese. Sie vermögen es, alle zuvor erwähnten Komponenten der Textproduktion zueinander regelhaft in Beziehung zu setzen, darüber in Dialog zu treten und Texte zu reproduzieren. Durch einheitliche Verarbeitungsvorschriften von Textmaterial kann beispielsweise die mechanische Beanspruchbarkeit diverser sprachlicher Strukturen diskriminierend wahrgenommen werden. Grafische Programmablaufpläne dienen onophon bei den Produktionsproben als Notation des Textverlaufs.
 
  Programm "einsatzdichtung": grenze
Programm "GLOTTISSTOPP": Billa, regelungsdichte, kette, Messer-Dolmetsch
Programm "Stumpf": Atemversuch, blindprinzip, verselbständigen, Stumpf, stillung, zumutung, hochlele, Schwank
 
   
Abstraktion
onophon verwendet eine Reihe von Abstraktionsverfahren bei der Textgenese. Es sind die Verfahren der Wiederholung und Variation, der Dekonstruktion und Synthese, der Rekontextualisierung, der Ebenenverschiebung und das Verfahren der Anwendung von Algorithmen. Sie alle dienen aufgrund ihrer transformativen Potenz auch der Abstraktion von Sprachmaterial.
 
  Programm "einsatzdichtung": autovignette, weiss, begehbare, kea, zinzn
Programm "GLOTTISSTOPP": Billa, kette, grababfall, Bettüberbau
Programm "Stumpf": blindprinzip, verselbständigen, tripetor, stillung, zumutung, hochlele
Literatur als Radiokunst: "seit Albert Hosp"
 
   
Schluckschutzhusten
Schluckschutzhusten ist reflektorischer Selbstschutz gegen unbeabsichtigtes Eindringen von Fremdkörpern in den unteren Atemtrakt. Dabei öffnet sich die Stimmritze und Luft wird explosionsartig ausgestoßen. Husten ist Symptom, nicht Krankheit. Husten ist ein Vorgang, mit dem sich Logopädie und Physiotherapie (v.a. die Atemphysiotherapie) gleichermaßen beschäftigen. Auch der Würgreflex verhindert das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege. Er wird bei der Berührung des Zungengrundes und des weichen Gaumens ausgelöst. Einatmen und Husten, Schlucken und Würgen sind demnach Einträge in der Matrix des vertikalen oralen Transports (siehe Abb. 1). Diese vier physiologischen Prozesse sind die Basalschicht, der onophon seine Artikulation aufsetzt. Sie versinnbildlichen gleichzeitig auch die Direktionalität von Kommunikation und verlaufen an der Grenze von willentlich beeinflussbarem und reflektorisch-automatisiertem Verhalten - eine Grenze, die onophon in seinen Versuchsanordnungen regelmäßig untersucht.
 
   
  Atmung Verdauung
Zufuhr einatmen schlucken
Ausstoß husten würgen
Abb. 1: Matrix des vertikalen oralen Transports
 
In ihrer Gesamtheit sollen die Texte des kommenden Programms "Schluckschutzhusten" den Körper als Träger kultureller Zuschreibungen erfassen. Gesundheit und Krankheit sind mögliche Zuschreibungen und Sprache ist essentielles Medium für dieses Etikettierverfahren.
Medizinische Konzepte und Behandlungsmethoden werden die Grundlage für die an den Texten applizierten Algorithmen bilden, so wie schon in den verschiedenen Versionen des Textes "Stumpf" die aseptische Exzision von beweglichen Teilen zuerst zum Hinken und schließlich beinahe zum Stillstand der Textmechanik führt. Folgende Ideen zur medizinischen Behandlung von Sprachmaterial liegen vor:
 
· Allopathie: das Gegenmittel finden, Defizite kompensieren
· Chirurgie: die exakte Schnittführung fordern, Operationspräparate einsenden
· Histopathologie: Körperinnenlandschaften standardisiert beschreiben
· Homöopathie: Symptomverschreibung, die Wirkung durch Verreiben und
  Verschütteln potenzieren
· Physikalische Medizin: Blitzgüsse, wechselwarme Güsse, Fangopackungen
· Phytotherapie: Zubereitung als Kaltwasserauszug, durch Pulverisierung oder durch
  Trockenstandardisierung
· Kardiologie: minimalinvasive Verfahren zur Bildgebung anwenden
· Rheumatologie: das gezielte Setzen einer Nadel zur Entnahme von Punktat
· Gynäkologie: über die psychische Verarbeitung der Tubenligatur referieren
· Pulmologie: die assistierte Beutelbeatmung nicht unterbrechen
· Physiotherapie: das zu behandelnde Gelenk in frontaler Ebene vorpositionieren
· Ergotherapie: den Handlungsplan adäquat anwenden
· Neurologie: inhibitorische Impulse fördern